Kunst Kritik

Reduzierte Formen zur Erweiterung des Bildbegriffs

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Die Ausstellungsreihe "Plateau - Raum für Zwei" lässt im Forum Stadtpark jeweils zwei künstlerische Positionen aufeinandertreffen. Selten aber schmückte dieser Rahmen ein in Sachen Feinsinnigkeit so hoch entwickeltes Ergebnis wie in der jüngsten Ausgabe, "intermittent geometry", für welche Gastkurator David Komary skulpturale Arbeiten von Gerold Tagwerker mit Malereien bzw. Bildinstallationen von Manuel Knapp kombiniert. Schon weil beide Künstler thematisch dicht beieinander arbeiten, einem modernistisch gefärbten Kunstbegriff auf der Spur sind und sich gut darin ergänzen, diesen poesiereich auszuhebeln: Während Tagwerker auf ein Modell, das Alexander Rodtschenko in den 10er-Jahren fertigte, zurückgreift, und es in Größe und Material verfremdet, dabei Assoziationsfelder aufmacht, welche "die Moderne" zwischen coolem Lifestyle und Holzhackästhetik lavieren lassen, führt Knapp die Vorgaben des modern-konkreten Bildes in unterschiedlich beschaffenen, aber durchwegs schwarzen Oberflächen an die Grenzen der Wahrnehmbarkeit. Während Tagwerker das moderne Raster persifliert, als Bewehrungsgitter ironisiert und in verzinkter Veredeltheit in verschiedenen, also einander widersprechenden Lagen weihnachtlich am Boden auslegt, reagiert Knapp in der Installation "int/ext 02" auf die Hinterlassenschaften des modern strukturierten Bildgevierts, indem er dieses räumlich und zeitlich aufbricht, wenn er Animationen von abstrakten, hin und her wandernden Linien und Raster auf ein Gefüge vorgefertigter, aus dem Baumarkt stammender und weiß lackierter Objekte treffen lässt. Das alles spielt sich in einem Ambiente ab, das selbst nicht frei von modernistischen Bezügen ist und also auch zur Diskussion steht. Was will man mehr?

Forum Stadtpark, bis 12.12.


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