Stehende Ovationen für Max Raabe und Palastorchester

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Der fast schon legendäre Interpret gibt Graz zwei mal die Ehre

Lange war's vergessen. Doch spätestens als Liza Minelli 1972 in "Cabaret" trällerte, musste es klar sein: dass Unterhaltungsmusik aus der Weimarer Republik, die durch die Machtübernahme der Nazis brutal unterging, durchaus Potenzial hat. Folglich kam es einige Jahre später zur Wiederentdeckung der "Comedian Harmonists". Der Regisseur Eberhard Fechner hatte für einen großangelegten Fernsehdokufilm über die ganze Welt verstreute Mitglieder interviewt. Die lebten damals gutteils noch. Und auch auf Vinyl kommt die A-cappella-Boyband wieder heraus.

Damals hörte der 1962 geborene Max die Lieder auch im Radio. Doch erst als Gesangsstudent in Berlin kommen er und einige Studienkollegen auf die Idee, den Sound der Neunzehnzwanziger und -dreißiger wieder auferstehen zu lassen. Schon beim ersten Auftritt beim Berliner Theaterball 1987 sorgt das für Furore. Das erste von max raabe und dem Palastorchester öffentlich vorgetragene Lied stammte übrigens vom österreichischen Operettenkomponisten Fred Raymon. Schnulzig wird in "Abends, wenn die Lichter glüh'n" die Einsamkeit in der Großstadt besungen.

Die Karriere des stets im eleganten Frack auftretenden Max Raabe war infolge nicht mehr zu stoppen. "Comedian Harmonists"-Songs wie "Mein kleiner grüner Kaktus" werden zum zentralen Bestandteil des Repertoires. Zuletzt erweitert er dies aber auch um internationale Popsongs wie Britney Spears' "Oops! I Did It Again", die er stets in seinem unverkennbaren Gesangsstils aufführt. Man wolle sich, so die Presseaussendung zur aktuellen Tour, mit heiterer Melancholie und perfekt inszenierten Arrangements stehende Ovation verdienen.

Stefaniensaal, So, Mo 20.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige