Meinesgleichen

ORF: Vielleicht sollte man ihn einfach sein lassen

Falter & Meinung | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Schon wieder der ORF: Informationsdirektor Elmar Oberhauser wurde letzte Woche vom Stiftungsrat auf Antrag des Generaldirektors Alexander Wrabetz abgewählt. Der Stiftungsrat dieses Unternehmens, angeblich entparteipolitisiert, stimmte präzise nach Fraktionen ab: Rote und Grüne für die Abwahl, der Rest dagegen.

Womit wieder einmal bewiesen war, dass der ORF personalpolitisch unter Kuratel der Regierung steht. Beweise des Gegenteils stehen aus. Dass unabhängige Berichterstattung, wie sie unter Kanzler Gusenbauer möglich wurde, auch unter seinem Nachfolger fortbestand, ist auch ein Verdienst Elmar Oberhausers und seines zum Hörfunk gewechselten Chefredakteurs Karl Amon. Unabhängigkeit mit abhängigem Personal gibt es nicht.

Informationsdirektor Oberhauser brachte seinen Wunschkandidaten Armin Wolf als Chefredakteur nicht durch; Wrabetz entschied sich für Fritz Dittlbacher. Auf Druck der SPÖ, sagt Oberhauser und riskierte den Eklat. Der wahre Eklat bestand aber im Abstimmungsverhalten des Stiftungsrats, welches Oberhausers Anschuldigung zu bestätigen scheint. Das sieht auch eine Gruppe von ORF-Redakteuren so, die in einem offenen Brief den Stiftungsrat dafür kritisieren.

Der ORF kommt nicht aus der Krise. Die Regierung versteht nicht, dass er nur zu retten wäre, wenn man ihn unabhängig und öffentlich-rechtlich sein lässt. Vielleicht muss man ihn einfach sein lassen. Staatszeitungen haben wir ja schon genug.

Protestierende ORF-Redakteure: Dieter Bornemann, Eugen Freund, Lorenz Gallmetzer, Brigitte Handlos, Günter Kaindlstorfer, Raimund Löw, Claudia Neuhauser, Andreas Pfeifer, Andrea Puschl, Christian Schüller, Hanno Settele, Christoph Varga, Wolfgang Wagner, Gabi Waldner, Armin Wolf


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