Kommentar?

Ein Nestroy für lebenslangen Kampf um Subventionen

Theater

Falter & Meinung | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Den Lebenswerk-Nestroy haben bisher nicht viele Preisträger lange überlebt. Erwin Piplits und Ulrike Kaufmann hingegen, die in diesem Jahr - zu Recht -für ihr Lebenswerk geehrt wurden, machen einen ziemlich vitalen Eindruck. Die Begleitmusik war trotzdem in Moll komponiert.

Der Schauspieler Karl Markovics, der seine Karriere in dem von Piplits und Kaufmann gegründeten Serapions Theater (später: Odeon) begonnen hatte, beendete seine Laudatio - in der die Ästhetik des ausgezeichneten Theaters übrigens kein Thema war - mit dem kämpferischen Appell an die Kunstministerin, sie möge den Preis "nicht als Saat, sondern als Ernte" verstehen. Soll heißen: Kohle rüberwachsen lassen.

Auch die Lebenswerkpreisträger selbst sprachen in ihrer Dankesrede weniger über ihr Werk als über Geld, wovon es natürlich immer zu wenig gab. Eine ähnliche Tonart schlugen die Kommentatoren an. "Geehrt, aber nicht gefördert", titelte der Standard bitter. Das ist leicht übertrieben: "Seit 18 Jahren subventioniert die Stadt Wien das Odeon unverändert mit 690.000 Euro", heißt es in dem Artikel weiter unten. Das ist nicht nichts. Und dafür, dass Piplits und Kaufmann nur eine Inszenierung im Jahr machen, ist es nicht so wenig.

Grundsätzlich werden unsere Off-Theatermacher immer dann besonders kämpferisch, wenn es ums Geld geht. Hört man sich das Gejammer an, klingt es, als kämpften sie gegen ein grausames Regime, das es darauf anlegt, seine Künstler fertigzumachen.

Man könnte meinen, Erwin Piplits und Ulrike Kaufmann wären nicht für ihr Lebenswerk aufsgezeichnet worden, sondern für ihren lebenslangen Kampf um Subventionen. Herzlichen Glückwunsch.


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