Alexander Van der Bellen: Last Exit Universitäts-Sonderbeauftragter

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Den Wichtigsten haben die rot-grünen Strategen vergessen: Im Koalitionspakt findet sich zwar ein "Beauftragter für kulturellen Brückenbau", ein "Radverkehrsbeauftragter" und ein "Fußgängerverkehrsbeauftragter". Der "Sonderbeauftragte der Stadt für Universitäts- und Wissenschaftsangelegenheiten" wird in dem 77-Seiten-Papier hingegen nicht erwähnt.

Diesen Posten bekommt der ehemalige grüne Parteichef Alexander Van der Bellen. Der 66-Jährige hatte in seinem Vorzugsstimmenwahlkampf versprochen, ins Rathaus zu wechseln, wenn Wien rot-grün regiert wird. Dafür haben ihm 11.952 Wähler eine Vorzugsstimme gegeben, der beste Wert gleich hinter Bürgermeister Michael Häupl.

Jetzt steht Rot-Grün und Van der Bellen bleibt trotzdem Nationalratsabgeordneter. Dabei sagte er noch vor kurzem in einem Interview mit dem Falter: "Wenn die Verhandlungen positiv abgeschlossen werden, bin ich meinen Wählern im Wort. Dann wechsle ich ins Rathaus."

Die offizielle Begründung für diese Meinungsänderung lautet, Universitäten seien Bundessache und deshalb könne der grüne Professor im Hohen Haus mehr bewirken als im Gemeinderat.

Allerdings bestätigt Van der Bellen, dass er weiterhin nicht Wissenschaftssprecher seiner Partei werde, und er war bisher auch nicht Mitglied des parlamentarischen Wissenschaftsausschusses.

Tatsächlich ist der Unisonderbeauftragte bloß ein letzter Ausweg für beide Seiten: Die Wiener Grünen freuten sich zwar über die vielen Vorzugsstimmen, mit denen Van der Bellen der Partei ein absolutes Wahldebakel verhindern konnte. Die Landesgruppe hat aber traditionell ein schwieriges Verhältnis zum Altparteichef. Auch Van der Bellen zog es weder in den Gemeinderat noch in die Wiener Landesgruppe. Stattdessen bekommt der neue Wiener Universitäts-Sonderbeauftragte bald ein kleines Büro in Rathausnähe.

Und reiht sich ein in die lange Liste jener Politiker, die nach der Wahl etwas anderes tun, als sie vor der Wahl versprachen.


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