Wieder gelesen?

Bücher, entstaubt

Politik | Alexander Fanta | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Österreichs Balkan-Koalition

Der Gründungsmythos der Republik ist zugleich ihr Sündenfall. Die Einigung von Rot und Schwarz auf der Lagerstraße sorgte nach dem Krieg für Stabilität, aber sie führt heute zu Lethargie, Korruption und Misswirtschaft. Mit diesen Thesen forderte der Publizist Alexander Vodopivec 1966 das Ende der Großen Koalition in Österreich. Sein Buch "Die Balkanisierung Österreichs" erschien am Vorabend der kurz währenden Alleinherrschaft der ÖVP. Es ist eine liberale Brandschrift. Der Verbändestaat der Nachkriegsjahre sei bloß eine Art entideologisierter Ständestaat, die Koalitionsgremien und Sozialpartner hätten das Parlament ausgehöhlt und eine Nebenregierung geschaffen. Von der Verländerung der Bundespolitik, dem maroden Bundesheer bis hin zur Politisierung des ORF - vieles, das schon damals die Politik plagte, ist bis heute nicht gelöst. Vodopivec' Kritik an Proporz und politischem Stillstand ist umso gültiger.

Alexander Vodopivec: Die Balkanisierung Österreichs. Folgen einer Großen Koalition. Fritz Molden, 406 S.

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