Stadtrand?

Die Wiener Schule der Bankplatzauswahl

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Geheime Dokumente machen es dem Falter möglich zu rekonstruieren, wie in Wien die Auswahl der Standorte für Sitzbänke abläuft. Und zwar so: In der Magistratsabteilung 264.811 wirft der zuständige Oberamtsdirektor zwei Faust voll trockene Bohnen über einen Stadtplan. Wo sie liegen blieben, kommen Bänke hin. Diese sogenannte Wiener Schule der Bankplatzauswahl gilt nicht umsonst international als Vorbild, wie ein Beispiel in der Ottakringer Friedmanngasse zeigt: Dort schauen zwei Bänke mit den Fronten direkt ins Wohnzimmer der dahinterliegenden Erdgeschoßwohnung, das sich so in eine Art Terrarium verwandelt. Man erkennt hier, wie geschickt die Wiener Schule öffentlichen und privaten Raum in einer Sphäre übergreifender Harmonie verquickt. Und doch wäre das System noch ausbaufähig: Anzudenken wären etwa Bänke im Grauen Haus, zum star watch prominenter U-Häftlinge. Oder in der Döblinger Cottage vor den Panoramafenstern reicher Wiener. Allerdings bitte mit den Hecken dazwischen. Ein bisschen Ruhe braucht der Mensch ja auch.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige