Ins Mark??

Dann fehlt die Strahlkraft

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Wer dieser Tage den roten Michael Häupl und seine grüne Bald-Vize Maria Vassilakou bis über beide Ohren strahlen sieht, denkt sofort an die ersten Tage des schwarz-grünen Bundes in Graz: an die Ausdauerlächler Lisa Rücker und Siegfried Nagl, der sich zur Paktverkündigung eine grüne Krawatte umgehängt hatte.

Und heute? Stellt Nagl in den Raum, mit FPÖ und BZÖ eine Volksbefragung über das Bettelverbot zu beschließen. Obwohl das Bettelverbot per Koalitionspakt für tabu erklärt wurde. Obwohl Seitensprünge mit anderen Parteien nur für Notfälle vorgesehen waren. Obwohl Nagl weiß, dass die Grünen sich gleich abschaffen könnten, würden sie zu einem Volksentscheid über Bettler Ja sagen.

Dass Nagl seit der Landtagswahl, wo die ÖVP auch in Graz traurig abgeschnitten hat, wieder seine gefürchteten Bocksprünge macht, können die Grünen nicht ändern. Ihre eigene Performance schon.

Der Pkw-Lawine haben sie bisher mutig die Stirn geboten. In letzter Zeit aber verheddern sie sich in Nebensächlichkeiten, während sie wichtige Themen verwaisen lassen. Es mag ja gute Gründe geben, Heizschwammerln vor Lokalen zu bekämpfen. Im Vergleich zu anderen Problemen sind das aber Peanuts. Was etwa plant die Umwelt- und Verkehrsstadträtin jetzt, da der neue Landesrat die Umweltzone einfach sterben lassen will, in Sachen Feinstaub zu unternehmen? Und wer, wenn nicht die Grünen, sollte Anlaufstelle für Gegner des Murkraftwerks sein? Auch zu gesellschaftspolitischen oder Kulturthemen dürften die Grünen was sagen. Sie müssen schleunigst einen Zahn zulegen, sonst werden sie jedenfalls nach der nächsten Wahl nicht strahlen.

Gerlinde Pölsler leitet das Ressort Stadtleben im Steiermark-Falter


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