Auch die Kunst darf verarscht werden

Steiermark | aus FALTER 46/10 vom 17.11.2010

Der steirische Künstler Wolfgang Temmel ironisiert mit "Art Joke" nicht nur sich selbst

Bericht: Tiz Schaffer

Es ist ja nicht so, dass die abstrakte Formensprache zeitgenössischer Kunst nicht auch mal Kunsthistoriker vor ein Rätsel stellen würde, ja mitunter scheitern lässt. Beim Scheitern versteht man bekanntlich wenig Spaß, völlig humorlos geht man damit allerdings in der Kunstwelt um. Klar, wer möchte schon - das gilt gerade für Kunstinteressierte - als Banause gelten? Im Begleittext zu Wolfgang Temmels Ausstellung "Art Joke" schreibt der Wiener Kulturpublizist Wolfgang Pauser: "Seit dem frühen 20. Jahrhundert erkennt man die moderne Kunst, so ferne man kein Kunstkenner ist, an ihrer Unverständlichkeit."

Leicht lachen haben da nur diejenigen, die nicht am System Kunst partizipieren. Etwa jene Cartoonisten, die in europäischen, selten in österreichischen Zeitungen Witzchen über abstrakte Kunst anfertigen. Diese Cartoons sammelt der steirische Künstler Temmel schon seit Jahren, anhand dieser hat er sich ein originelles Kunstprojekt erdacht. In allen diesen Cartoons entsteht die Pointe dadurch, dass Ratlose vor einem Werk "moderner Kunst" stehen. Temmel hat diese kleinen Kunstwerke in den Cartoons vergrößert und malerisch bearbeitet. So hängen nun im Grazer ESC der Ausgangscartoon und das daraus entstandene "echte" Kunstwerk in trauter Zweisamkeit. Das lässt einen nicht nur mit einem Schmunzeln durch die Ausstellung flanieren, der Witz ist ja: Das Klischee von Kunst wird plötzlich tatsächlich zu Kunst. Weniger lustig: Da es nun Kunst ist, müssten sich eigentlich nun Kunsthistoriker an einem Witz abarbeiten.

"Schnell raus hier - sonst geben sie uns die Schuld"

ESC, Graz, bis 26.11., Symposion "Talking Art Jokes" am Fr 20.00


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