Kritik

Pointiert scheitern: Polit-Theater im Testlauf

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 47/10 vom 24.11.2010

Ulrich Seidl in postdramatischer Bearbeitung - das passt insofern ziemlich gut, als es bereits in Seidls Filmen ums Schauspielen mit unklaren Grenzen geht: zwischen Doku und Fiktion, Person und Rolle, Selbstentwurf und Fremdbestimmtheit. In seiner Aneignung von "Good News" (1990) in der Garage X bemüht sich Regisseur Michael von zur Mühlen aber weniger um Übersetzungen von Seidls kontroversem Hybridrealismus als darum, dessen Energien anders zu kanalisieren: Das Wissen um Ausbeutungsverhältnisse, das in Seidls Studie über die Zurichtung von Krone-Kolporteuren steckt, soll politisch-agitatorisch produktiv gemacht werden. Und weil das gar nicht so leicht ist, gestaltet sich der Abend als eine Serie von Testläufen in Sachen theatralischer Involvierung, die vorsätzlich (und manchmal sehr pointiert) scheitern. In einer Gruppendiskussion zerbröseln Ermächtigungsphrasen, später wird Wolf Martin verlesen, zitathaft Ausgeschiedenes verzehrt und Selbstbezichtigung mit Publikumsanklage abgemischt. Wie dieser bunte Abend des Polittheaters immer wieder bewusst verebbt, um von neuem hochzufahren, das hat - trotz einiger Längen - seinen Witz.

Garage X, Fr, Do 20.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige