Neu im Kino

Ein mustergültiger Agentenfilm: "Fair Game"

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 47/10 vom 24.11.2010

Du bist nur ein winziges Rädchen in einer Maschine", meint Naomi Watts als CIA-Agentin zu Sean Penn als ihrem Mann und ehemaligem Botschafter. Damit meint sie in Wahrheit natürlich sich selbst: Valerie Plame führt das klassische Doppelleben als Spionin und Ehefrau, als sie im Frühjahr 2002 darauf angesetzt wird, Saddams Massenvernichtungswaffen zu finden. Ihr Misserfolg wird zum beruflichen und familiären Desaster: Ihre Tarnung wird von der eigenen Dienststelle aufgehoben, ihr Mann, der in Afrika die nötigen Beweise für Uranexporte in den Irak auftreiben hätte sollen, von der Bush-Regierung öffentlich diskreditiert.

Basierend auf dem wahren Fall der sogenannten Plame-Affäre inszeniert Doug Liman ("Bourne"-Trilogie) mit "Fair Game" einen geradlinigen, im wahren Sinn des Wortes mustergültigen Agentenfilm. Obwohl das Politische und das Private von Anbeginn ineinander fallen, schafft sich die Erzählung gegenüber dem Zuschauer nie einen Wissensvorsprung, sondern macht den zunehmenden Druck, dem Plame und Wilson ausgesetzt sind, nahezu physisch spürbar: nicht mittels handelsüblicher Schnittfolgen oder Wackelkamera, sondern durch Dichte und Präsenz.

Das hat mitunter zwar etwas Altmodisches (und erinnert wiederholt an Paranoia- und Spionagefilme der 70er-Jahre), aber nichts Einfaches - und geziemt sich hervorragend für einen Film, für den die Abrechnung mit der Bush-Administration zum Glück nicht oberstes Ziel ist.

"Man muss wissen, warum man lügt", sagt Plame (die am Ende in Archivbildern auftaucht), "aber man darf die Wahrheit nicht vergessen." Klingt simpel, ist aber selbst für professionelle Lügner manchmal unmöglich.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Village)


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