Glosse?

Er wird verlacht und verhöhnt. Dabei trägt er eine Uniform

Wien

Falter & Meinung | Karin F. Knolle | aus FALTER 47/10 vom 24.11.2010

Jeden Morgen steht er da. Wenn die Rosen blühen. Wenn die Blätter fallen. Wenn die Holzfäller anrücken. Er trägt eine grüne, für die Ewigkeit geschneiderte Uniform, im Mund steckt ein Trillerpfeiferl. Er patrouilliert, als ob es eine Grenze gegen eine feindliche Macht zu verteidigen gilt. Manchmal geht er in Deckung und springt aus den Büschen, wenn er einen Übeltäter sieht. Dann schreit er, wedelt mit den Armen, droht mit der Staatsmacht, die er herbeirufen könnte. Doch alle lachen ihn aus. Die Damen mit den Hunden. Die Radler, die ihm den Mittelfinger entgegenstrecken. Die verliebten Paare, die sich verbotenerweise in der Wiese räkeln. Sie verhöhnen ihn. Es zuckt dann in seinem Gesicht, er wird wütend und rot im Gesicht. Zum Glück hat er in solchen Momenten keine Macht, der Parkwächter vom Volksgarten.


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