Am Apparat??

Schmerzt die erste rote Watsche, Frau Vizebürgermeisterin?

Telefonkolumne

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 47/10 vom 24.11.2010

Einen "Knalleffekt" in der rot-grünen Regierung und einen "Rüffel" des Bürgermeisters für die grüne Vizebürgermeisterin ortete die Krone. Maria Vassilakou forderte in der Presse nämlich einmal mehr eine schnellere Öffnung der Gemeindebauten für Ausländer. Der Bürgermeister aber sagt "Njet". Eine erste Krise?

Frau Vizebürgermeisterin, wie fühlen sich die ersten Watschen von Krone und SPÖ an?

Es gab keine Ohrfeigen, wohl aber mediale Reflexe. Was geschah? Im Presse-Interview wurde ich gefragt, ob die Fünfjahresfrist für Ausländer im Gemeindebau fallen soll. Meine Meinung ist lange bekannt und immer noch dieselbe. Ich betonte aber auch, dass die Gemeindewohnungsvergabe durch das Regierungsübereinkommen nicht geändert wird. Dieser Zusatz erschien in der schriftlichen Fassung des Interviews aber nicht, da habe ich selbst zu wenig aufgepasst. Für die Krone ist meine Meinung nun ein Eklat. Auch nicht verwunderlich.

Sie sprechen nun als Vizebürgermeisterin. Ihre Worte haben mehr Gewicht.

Das stimmt. Und deshalb muss ich sie sorgfältig wählen. Ich konstatiere aber eine zunehmende Aufgeregtheit im Umgang mit Meinungen abseits des Mainstreams. Einerseits wünscht man sich Politiker, die ihre Meinung sagen und die öffentlich debattieren, anstatt sich hinter Floskeln zu verstecken. Wenn dann eine Meinung offen gesagt wird, folgen überzogene Reaktionen. Ich habe aber als Politikerin auch die Aufgabe, den Diskurs voranzutreiben.

Hat sich Häupl bei Ihnen beschwert?

Nein, der Bürgermeister bleibt gelassen. Klar ist für uns beide, dass die weitere Öffnung der Gemeindebauten nicht Teil des Regierungsübereinkommens ist. Aber die Medienwelt wird sich daran gewöhnen müssen, dass es in Wien einen politischen Diskurs und verschiedene Meinungen zu einem Thema abseits der Regierungsarbeit gibt. Auch das ist Teil des rotgrünen Projekts.


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