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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 47/10 vom 24.11.2010

Brücken in die Vergangenheit

Am Balkan löste es einen Krieg aus, im Rest Euroas führt es zumindest zu heißen Debatten: das Thema Vergangenheitsbewältigung. Ihm widmet sich ein englischsprachiger Sammelband europäischer Intellektueller, editiert von den österreichischen Balkan-Kennern Wolfgang Petritsch und Vedran Dzihic´. Von südosteuropäischen Definitionskriegen, wie sie sich etwa in Srebrenica oder Mostar grausam äußerten, leitet er über zu großen gesamteuropäischen Vergangenheitserzählungen vieler Epochen - zum Beispiel zur "pangermanischen Identität" der Zwischenkriegszeit, zur Rolle der (gemeinsamen) osmanischen Geschichte in so unterschiedlichen Städten wie Sarajevo und Beirut oder zum Vergangenheitsbild in Michael Hanekes "Das weiße Band". Autoren sind etwa Oliver Rathkolb, der britische Europa-Experte Martin Dangerfield, der polnische Ex-Dissident Konstanty Gebert, die serbische Menschenrechtsaktivistin Natasa Kandic´ und die Herausgeber selbst. Lesenswert!

Joseph Gepp

Vedran DzihiÆ, Wolfgang Petritsch (Hg.): Conflict and Memory. Bridging Past and Future in (South East) Europe. Nomos, 326 S., ? 69,-

Hinaustrompetet

In der österreichischen Sachbuchwelt macht sich ein neues Buchformat wichtig, die sogenannte Ich-Hagiografie. Wolfgang Schüssels Memoiren, die keine sind, waren ein Beispiel dafür. Verfasst von einem versierten Journalisten, in der Ich-Form geschrieben, weitgehend selbstkritikfrei und an der eigenen Mythenbildung orientiert. Nun legt der oberösterreichische Raiffeisen-Chef Ludwig Scharinger nach. "Nach meiner Trompete", geschrieben mit dem Journalisten Josef Ertl, ist ein anekdotengespicktes Heldenepos mit Managertipps. Schade, denn die Geschichte vom Bauernbuam, der sich zum Bankdirektor hocharbeiten musste, hätte moderne Heimatromanqualitäten gehabt. Bt

Ludwig Scharinger. Nach meiner Trompete. Ecowin Verlag, 173 S., ? 22,-


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