Klagenfurt: wie ein Schubhäftling krankgespritzt wurde

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 47/10 vom 24.11.2010

Der Patient ist "wach, bei klarem Bewusstsein, voll orientiert, ruhig", schreiben die Ärzte der Psychiatrie am Landeskrankenhaus Klagenfurt in den Aufnahmebericht. Wenige Tage danach ist der 33-jährige Schubhäftling David S. ein schwerkranker Mann. Der Georgier leidet seitdem unter einer "ausgedehnten Bein- und Beckenvenenthrombose beiderseits" muss Blutgerinnungshemmer einnehmen und ist in Schmerztherapie.

Der Schubhäftling war Anfang März von Polizisten ins Krankenhaus gebracht worden, weil er im Hungerstreik war. Er "sagt es wäre sein Recht, nichts zu essen - wir sollen ihn freilassen", steht im Aufnahmeprotokoll.

D. wurde stattdessen "zum Selbstschutz fixiert und akut sediert", wie es im Arztbrief heißt. Er wurde zwangsernährt und bekam Psychopharmaka und Tranquilizer verabreicht.

"Diese Zwangsbehandlung war unnötig und wurde nur auf Wunsch der Polizei durchgeführt", kritisiert Hans-Joachim Fuchs, der praktische Arzt des Georgiers. "Und dann ist den Klagenfurter Ärzten auch noch ein Kunstfehler passiert, der den jungen Mann lebenslänglich krank gemacht hat." Was dem Patienten nämlich nicht gegeben wurde, war ein Mittel zur Verhinderung von Thrombosen. Dabei ist es Standard in jedem Krankenhaus, Patienten, die im Bett liegen müssen, täglich eine Anti-Thrombose-Spritze zu verabreichen.

Bei D. dauerte es laut ärztlicher Dokumentation neun Tage, bis er ein solches Medikament bekam. Da hatten sich bereits Blutgerinnsel in den Beinen gebildet. Auch die nun notwendige Behandlung mit dem Gerinnungshemmer Marcumar ist nicht ungefährlich, da durch dieses Medikament leicht Blutungen entstehen können.

Der ärztliche Leiter des LKH Klagenfurt lässt auf Falter-Anfrage ausrichten, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt und er daher nichts dazu sagen möchte.

Der Wiener Arzt Fuchs, der D. nun behandelt, findet hingegen klare Worte: "Es darf nicht sein, dass Ärzte den Job von Polizisten machen."


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