Mediaforschung??

Warum verzichtet Palmers auf Models, Frau Georgiades?

Nachfragekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 47/10 vom 24.11.2010

Nicht nur Mode unterliegt Trends, auch Models. Der letzte Schrei ist das Anti-Model. Es ist die Gegenthese zum Supermodel der 90er-Jahre, an dessen perfekten Maßen und makelloser Präsenz sich Frauen (Männer vielleicht auch) inzwischen sattgesehen haben. Die publizistische Vorreiterin der Anti-Model-Bewegung, die natürlich auch gut zum Trend des Cocoonings und der neuen Häuslichkeit passt, ist die deutsche Brigitte. Sie wirbt seit Anfang dieses Jahres damit, ihre Modestrecken ausschließlich mit Fotos der eigenen Leserinnen zu bestreiten. Die österreichische Woman zog nach. Jetzt wagt sich auch der Wäscheproduzent Palmers an die Ohne-Model-Front.

Die Weihnachtskampage zeigt die 21-jährige Jeannine Nujic, Besitzerin des Hundesalons Doggylicious, die 37-jährige Controllerin Brigitte Angerer und die 53-jährige Chefsekretärin Iris Reingruber. Vom holländischen Starfotografen Jan Welters abgelichtet und, wie Palmers-PR-Chefin Anna Georgiades beteuert, "kaum retouchiert". So schafften es etwa Angerers Sommersprossen auf die Plakatwand. "Palmers bei Dir" heißt der unverfängliche Slogan dazu.

Was das bringt? Glaubwürdigkeit bei den Kundinnen, sagt Georgiades, schließlich setze Palmers nach wie vor auf persönliche Beratung im Fachgeschäft. Kleidergröße 34 in Kombination mit Körbchengröße D ist da die Ausnahme.

Den Plakaten fehlt mit einem Mal aber auch jenes Objekthafte, dieses Zurschaustellen, das Unterwäschewerbung sonst oft ausmacht. Zum einen, weil die drei Damen nicht professionell-devot in die Linse schmachten. Zum anderen, weil die gezeigte Wäsche dezenter ausfällt als sonst - schließlich musste sie zur Lebenswelt der echten Frauen passen. Wer stöckelt schon in Strapsen ins Büro? Werbung, ganz "bei Dir" eben.


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