Enthusiasmuskolumne??

Als Freud aus dem Rahmen fiel

Diesmal: die beste Adult-Animation der Welt der Woche

Feuilleton | Maya Mckechneay | aus FALTER 47/10 vom 24.11.2010

Das Tollste waren die Amaronen. Kleine, rote Glibbertabletten, die man auf den Teller warf, wo sie zu tanzen begannen, sich drehten und verwandelten, vom Pudding zum Knödel zum shakenden Backhendl wurden, um schließlich als dampfendes Leibgericht vor dem Hungrigen liegenzubleiben.

Als Kind war ich glühender Fan der tschechoslowakischen Science-Fiction-Serie "Expedition Adam '84" aka "Die Besucher" (seit kurzem auch auf DVD!). Alles daran war schick: die als Lada Niva getarnten Computerfahrzeuge, die futuristischen Lichtduschen, vor allem aber die eigenwilligen Stop-Motion-Animationen, die so gar nichts mit den damals aufkommenden Videoeffekten zu tun hatten. Dass die von einem Herrn namens Svankmajer stammten, war mir damals noch völlig wurscht.

Dem Kinderserienalter bin ich dem Pass zufolge entwachsen. Zum Glück, denn um das restliche, zwei Dutzend Kurz- und sechs Langfilme umfassende Werk des tschechischen Animationskünstlers Jan Svankmajer zu erforschen, sollte man mindestens 18 Jahre alt sein - jedenfalls laut offizieller FSK-Freigabe. "Surviving Life (Theory and Practice)", der beim Anilogue-Festival seine Wienpremiere erlebt, packt die erotischen Fantasien eines alten Mannes in opulente Cut-out-Foto-Animationen. Und entwirft dabei derart dreiste, verschrobene Allegorien, dass man Woody Allen, Rudolf Thome und wie sie alle heißen ihre faden Altherrenfantasien schon wieder lächelnd verzeiht.

Svankmajer nämlich treibt es im Traum mit dem jugendlichen Ebenbild seiner Mutter (seine Anima, wie die Psychoanalytikerin weiß); als er sie schwängert und mit ihr ein Apartment bezieht, stürzen sich Freud und C.G. Jung, die die Therapiesitzungen von der Wand herab kommentieren, entsetzt aus ihren Bilderrahmen. Jan Svankmajer jedenfalls ist in Würde gealtert: Wenn schon Dirty Old Man, dann bitte richtig.

Am 26.11., 22 Uhr, im Filmcasino und am 28.11., 20 Uhr, im Topkino


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige