Ein herzhaftes "Fuck You" vom Soulman

Feuilleton | aus FALTER 47/10 vom 24.11.2010

Cee Lo Green, die Stimme von Gnarls Barkley beweist: Rhythm & Blues muss nicht sexistisch sein

Rezension: Sebastian Fasthuber

Thomas DeCarlo Callaway alias Cee Lo Green hat eine der prägnantesten Stimmen der Gegenwart. Er drückte Gnarls Barkleys "Crazy", dem Überhit der Nullerjahre, ebenso seinen Stempel auf wie Stücken verschiedenster Künstler aus der Hip-Hop-, R&B- und Popwelt, denen er sein mächtiges Schmeichelorgan lieh.

Umso erstaunlicher, dass die Sololaufbahn des Mannes aus Atlanta bisher nicht mehr Schwung aufgenommen hat. Die beiden Alben "Cee Lo Green And His Perfect Imperfections" (2002) und "Cee Lo Green Is the Soul Machine" (2004) gingen schwer in Ordnung, aber in der Veröffentlichungsflut unter. Umso willkommener kam die Zusammenarbeit mit Danger Mouse bei Gnarls Barkley.

Für sein neues Soloalbum hat er nicht versucht, sich neu zu erfinden. Warum auch? Das System Cee Lo Green ist ziemlich perfekt so, wie es ist. Es hat nur ein wenig gebraucht, bis der Rest der Welt auf seine Signalstärke eingestellt war, wie der nunmehrige Erfolg mit der Single "Fuck You" - der fröhlichste Mittelfinger des Jahres - beweist. Der Mann beherrscht die hohe Popkunst, traurige Stimmungen in gutgelaunte Songs zu verpacken.

Mit "The Lady Killer" präsentiert der Sänger ein Themenalbum über die Damenwelt. Gewagt, wenn man bedenkt, wie eindimensional blöd es meist wird, wenn sich R&B-Sänger oder Hip-Hopper daran versuchen, die holde Weiblichkeit zu besingen.

Cee Lo jedoch tappt weder in die Sexismusfalle, noch hängt er sich an Klischees vom Soulsänger als Ladies' Man an, den man nicht besser als Barry White verkörpern kann. Stattdessen mutet er dem Hörer Realismus zu: In seinem Beziehungspotpourri klappt es mit den Frauen mal besser, mal weniger gut - der Ladykiller als sympathischer Durchschnittskerl.

Cee Lo Green: The Lady Killer (Atlantic/Warner)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige