Spaß mit dem Herzog von Auschwitz

Feuilleton | aus FALTER 47/10 vom 24.11.2010

Mit seinem Roman "Zone" beamt der Franzose Mathias Énard die "Ilias" in unsere gewalttätige Gegenwart

Porträt: Georg Renöckl

Mathias Énards Roman "Zone", das sind zunächst einmal über 500 Seiten Bleiwüste: absatzloser Text von links oben bis rechts unten, ohne erkennbare Satzanfänge oder Punkte.

Leichte Kost sieht anders aus, doch was bei der Lektüre womöglich auf den Magen schlägt, ist eher der Inhalt als die Form: "Zone" ist der Bewusstseinsstrom des kroatischstämmigen Franzosen Francis Servain Mirkovic, der als Söldner in Bosnien Kriegsverbrechen begangen hat und später Geheimagent wird. Sein Einsatzgebiet, den Mittelmeerraum, nennt er "Zone".

Im Französischen ist der Begriff doppeldeutig, er steht auch für übel beleumundete Gegenden. Auf einer schlaflosen Zugfahrt nach Rom, wo er ein neues Leben beginnen möchte, denkt der übermüdete, alkoholisierte Ex-Söldner über seine gewalterfüllte Vergangenheit nach, seine toten Kampfgefährten und gescheiterten Beziehungen,

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