Engagiertes Allerlei mit streitbarem Meister

Joachim Schätz | aus FALTER 48/10 vom 01.12.2010

Das Menschenrechtsfilmfestival "This Human World"

Während die Bananencreme-Chilischokoladenpastete auskühlt, erhebt der Fernsehkoch sein Glas. Launig bedankt er sich bei all den Menschen "auf der anderen Seite der Erde", die so preiswert unsere Supermarkt- und Feinkostregale befüllen. "Thank You Third World" heißt die Kampagne, in deren Rahmen dieser und zwei weitere sarkastische Einminüter produziert wurden.

Im Kurzfilmprogramm von "This Human World" stehen diese Minisatiren ausbuchstabierter Ausbeutungsverhältnisse jetzt neben einer Agit-Doku über einen Präzedenzfall kalkulierter Umweltverschmutzung ("The Stinking Ship") und dem Drama eines fantasiebegabten Mädchens im Zimbabwe der 80er-Jahre ("The Tunnel").

Diese Stichprobe gibt einen Eindruck von der inhaltlichen und thematischen Diversität der über 80 Arbeiten, die für Wiens Filmfestival der Menschenrechte versammelt wurden. Ein Schwerpunkt ist Filmen über und für Kinder und Jugendliche gewidmet, ansonsten wird auf den Gebrauch thematische Etikette verzichtet. Die Suche nach spannenden Filmen muss sich sowieso quer zu bloß inhaltlichen Zuschreibungen bewegen - und ist oft gerade beim Eigensinnigen erfolgreich: In Laura A. Guzmáns und Israel Cárdenas feiner Parabel "Jean Gentil" durchlebt ein haitianischer Professor eine Krise, von der sich gar nicht sagen ließe, ob sie primär eine ökonomische ist oder eine existenzielle.

Eindeutiger Höhepunkt ist aber - trotz mancher viel versprechenden Österreich-Premiere (etwa "Nostalgia de la Luz" vom chilenischen Dokumentarfilmveteranen Patricio Guzmán) - die erste Retrospektive des Festivals: Claude Lanzmann, streitbarer Schöpfer von Zentralwerken des modernen Dokumentarfilms wie "Pourquoi Israel" und "Shoah", wird in Wien seine Autobiografie präsentieren und bei Vorführungen anwesend sein.

Verschiedene Kinos, 2.12.-10.12.


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