Neu im Kino

Der neue Allen: "Ich sehe den Mann deiner Träume"

Lexikon | Barbara Schweizerhof | aus FALTER 48/10 vom 01.12.2010

Mehr und mehr scheint sich Woody Allen damit zufriedenzugeben, einfach jedes Jahr seine "Truppe" zusammenzurufen und mit ihr lebensphilosophische Sinnfragen durchzuspielen. Ist nicht alles menschliche Handeln eitel? Von dieser Grundthese geht "Ich sehe den Mann deiner Träume" aus und breitet vor dem Zuschauer zum Beleg die Geschichte zweier Paare aus, aus der bald die von vier oder gar sechs, sieben weiteren Beziehungen wird.

Losgetreten wird dieser Reigen von Alfie (Anthony Hopkins), der kurz vorm Rentenalter zur eigenen Jugend zurückfinden möchte und sich von seiner Frau Helena (Gemma Jones) scheiden lässt. Ihre Tochter Sally (Naomi Watts) ist verheiratet mit Roy (Josh Brolin), der einen erfolgreichen Debütroman geschrieben hat und sich fragen muss, ob sein Talent für ein zweites Werk ausreicht. Was ihm viel Zeit lässt, um aus dem Fenster zu schauen, wo er gegenüber die schöne Pia (Freida Pinto) entdeckt. Sally dagegen versucht sich ihrem Boss Greg (Antonio Banderas) zu nähern. Mutter Helena, durch Sitzungen bei einer Wahrsagerin aus der Post-Scheidungs-Depression gerissen, ermutigt sie dabei. Ihr selbst wurde die Begegnung mit einem "großen dunklen Mann" in Aussicht gestellt. Dass der sich als klein, kahl und dicklich herausstellt, ist so eine der typischen Schicksalsironien, denen Allen seine Figuren aussetzt.

Wer kein Meisterwerk erwartet, kommt hier allein schon wegen der Schauspieler auf seine Kosten. Und wegen Sequenzen wie der, in der Alfie entdecken muss, dass er nach außen hin zwar tatsächlich das Leben eines Mittdreißigers führen kann, sich das aber nach innen nicht unbedingt gut anfühlt. Und er hat keine Ahnung, warum. Einerseits ist das eine bitterböse Karikatur, andererseits aber kann man ihn so gut verstehen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv, OF im Burg und Haydn)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige