Neu im Kino

Kapitalismus und Schizophrenie: "Otto's Eleven"

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 48/10 vom 01.12.2010

Auf alten Fotos sieht man irgendwie jünger aus", lautet einer der netteren Sager in "Otto's Eleven". Den Zusatz, dass man in jüngeren Filmen irgendwie älter aussieht, verkneifen wir uns.

Denn entweder wir sind unter 40, dann betrifft uns das hier eigentlich nicht; oder wir sind mit Otto Waalkes mitgealtert und haben von glockenbehosten Kindesbeinen an medial implantierte Erinnerungen an ihn: Erinnerungen an kaum imitierbare Vokaleffekte und (leichter imitierbare) konsumkultursatirische Sketches eines Komikers, der die sozialen Flexibilisierungsprozesse der 70er-Jahre begleitet hat - als die Chaosclown-Form von lockerem Habitus, als Schizo-Vulgärvariante des mehrdimensionalen, projektorientierten Menschen.

Für den Fall, dass wir uns nicht mehr so gut erinnern, recycelt der neue Film einige Classics: Ottos Skat-Trainingsketch; den Spiegelsketch, den Jerry Lewis von Groucho Marx übernommen hat; Sky Dumont in der Wurzenrolle eines Krösus, der seinen Part des damals schon silberhaarigen Gigolos Harald/Ernesto in "Otto - Der Film" (1985) fortsetzt. Der angenehm nichtige Kunstraub-im-Casino-Plot führt zu Szenen, in denen Originale imitiert werden: Models hüpfen wie Otto, der wiederum imitiert Olli Dittrich in der Otto-Rolle des Reporters Harry Hirsch. Werkkritisches Fazit: Otto geht schon o.k. (irgendwie), das größere Problem sind seine "Eleven", eher Lehrlinge denn Freakteam im "Ocean's 11"-Sinn, kleiner kalibriert als das Ensemble der "7 Zwerge"-Filme (Regie mit Akzent auf Märchendeko auch hier: Sven Unterwaldt jr.).

Pragmatisches Fazit: Besser, man sieht Otto in diesem Film als zu Gast bei Thomas Gottschalk.

Ab Fr in den Kinos


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