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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 48/10 vom 01.12.2010

Die Hölle, das sind bekanntlich die anderen, und gemeint sind nicht die Potentaten fernöstlicher Folterregime (von denen man das eh schon immer gewusst hat), sondern die Nachbarn, die den Müll nicht trennen. Dergleichen ist seit den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein verlässlicher Anlassfall satirischer Anstrengung, welche die spießigen Wurzeln der entsprechenden Empörung freilegt, aber wenn man solch fraglos niederschwelligem Fehlverhalten im wirklichen Leben begegnet, regiert das blanke Entsetzen: Wer um alles in der Welt macht so was?!! Muss man von Menschen, die ihr gesamtes Overheadfolienarchiv des letzten Jahrzehnts in der Altpapiertonne entsorgen, nicht annehmen, dass sie einen ansatzlos der Geheimpolizei ausliefern würden, sollten sich die politischen Umstände eines Tages doch noch drastisch ändern?

Es ist nichts weniger als erschütternd und ernüchternd, wenn man zur Kenntnis nehmen muss, dass die Barbarei am eigenen Arbeitsplatz haust und nur eine Kühlschrank- oder Klotür weit entfernt ist. Öffnet man diese, beginnt der gottlose Horror: Liptauer aus dem Pleistozän wächst einem entgegen; alles, was nach Holozän aussieht, wird gestohlen, und die Systematik, mit der Eigenurin neben die dafür in unseren Breiten vorgesehene Einrichtung abgeschüttelt wird, lässt auf vorsätzliche Verkommenheit schließen. Immerhin: Eine in nicht ganz unrustikalem Deutsch verfasste schriftliche Aufforderung, dies fürderhin gefälligst zu unterlassen, hat erste pädagogische Früchte getragen. Bei manchen muss man wirklich ganz von vorne anfangen. Schande über deren Eltern!


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