Am Apparat?

Sollen Fußballstars Banken stürmen, Frau Breinlinger?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 48/10 vom 01.12.2010

Man kennt ihn als Fußballer mit Temperament. Nun möchte der Franzose Eric Cantona, früherer Fußballstar bei Manchester United, Banken stürmen. Er ruft dazu auf, am 7. Dezember kollektiv Geld von den Banken abzuheben, um so das Finanzsystem ins Wanken zu bringen. Was so ein Aufruf auslösen kann, hat der Falter die Finanzmarktexpertin Luise Breinlinger vom Institut für Höhere Studien gefragt.

Was halten Sie von dem Bankensturmaufruf des Fußballers Eric Cantona?

Solche Aktionen sind nicht zielführend, weil die Funktionsweise der Banken auf einem gewissen Mindestvertrauen der Kunden in die Banken beruht. Fehlt dieses Vertrauen, etwa wenn dieser Aufruf auf entsprechenden Widerhall stößt, können Banken rasch Liquiditätsprobleme bekommen.

Ab wann haben die Banken bei so einer Aktion echte Probleme?

Da kann man sicher keine Quantifizierungen machen. Aber grundsätzlich ist es so, dass von öffentlicher Seite alles getan werden muss, damit das Vertrauen in die Banken nicht über Gebühr erschüttert wird.

Cantona rechtfertigt seinen Aufruf mit dem Argument, die Menschen sollen sich gegen die bösen Banken wehren.

Aber so eine Aktion trifft doch nicht nur die Banken, sondern hat als Folge Konsequenzen für jeden Staatsbürger. Natürlich besteht Reformbedarf. Hier gibt es bereits neue Bankenregulierungen. Alle Änderungen müssen wohlüberlegt und in der richtigen Dosierung vorgenommen werden.

Was sollen Bürger, die sich über ihre Banken ärgern, dann tun?

Auf keinen Fall am 7. Dezember ihr Sparbuch ausräumen. Kritik ist natürlich angebracht. Aber solche Maßnahmen sind extrem kontraproduktiv. Die Menschen können doch ihren Unmut auch deutlich direkt in den Banken äußern. Aber eben wohlüberlegt und nicht mit so einem Faustschlag. Das Finanzsystem ist sehr fragil und jeder Eingriff muss wohlbedacht sein.

Interview: Nina Horaczek


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige