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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 48/10 vom 01.12.2010

Ab heute wird zurückgeraucht

Das Wort Passivraucher geht auf Forschungen der NS-Zeit zurück. Adolf Hitler, ein militanter Nichtraucher, gab sie in Auftrag. Der rauchende Drehbauchautor Walter Wippersberg geht nicht so weit, Rauchverbote faschistisch zu nennen. Auch in der Arbeiterbewegung war der blaue Dunst verpönt. Der Autor trug historische Beispiele zusammen, etwa die Hinrichtung von 25.000 Rauchern im Osmanischen Reich. Für ihn ist das Rauchen in öffentlichen Räumen ein Symbol bürgerlicher Emanzipation. Mehr der Polemik als der sachlichen Abwägung zuneigend, ortet Wippersberg die Nikotintalibans im calvinistisch geprägten, US-amerikanischen Gesundheitswahn und der EU-Bürokratie. "In den Medien gilt ausschließlich die Meinung der Antiraucherlobby als politisch korrekt." Nun schießen die Paffkameraden zurück.

matthias dusini

Walter Wippersberg: Der Krieg gegen die Raucher. Promedia, 176 S., ? 13,90

Als Österreichs SA heimkehrte

15.000 Aktivisten der österreichischen SA waren nach dem Verbot der NSDAP im Juni 1933 ins Deutsche Reich geflohen. Als "Österreichische Legion" militärisch ausgebildet, standen sie für den Anschluss an Nazideutschland auf Abruf bereit. Im machtpolitischen Ränkespiel nach dem Anschluss zogen sie den Kürzeren und kompensierten ihre frustrierten Ambitionen mit der Ausplünderung und Drangsalierung der jüdischen Bevölkerung. Hans Schafranek legt eine umfassende organisations- und mentalitätsgeschichtliche Studie über diese Söldnertruppe vor, die bislang von der Forschung nur am Rande gestreift wurde. 150 Kurzbiografien des Führerkorps der Legion machen das Buch zugleich zu einem wichtigen Nachschlagewerk über die Geschichte der österreichischen SA.

Walter Manoschek

Hans Schafranek: Söldner für den Anschluss. Die Österreichische Legion 1933-1938. Czernin, 400 S., ? 29,90


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