Fragen Sie Frau Andrea

Wappler, Dillos, Koffer und Idioten

Kolumnen | aus FALTER 48/10 vom 01.12.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

mit Befremden lese ich, dass sowohl von SPÖ- als auch Grünen-Seite das Wort Wappler immer öfter für politisch engagierte Menschen verwendet wird. Dieses Wort aus dem Mund von Bürgermeister Häupl mag man gewohnt sein, aber es wird nicht schöner, sondern hässlicher, wenn es aus dem Mund eines grünen Spitzenpolitikers kommt. Die Bezeichnung "hundertvierzigster Bezirkswappler" ist eine menschenverachtende Diffamierung. Liebe Frau Dusl, woher kommt eigentlich das Wort Wappler?

Luis Weinberger, Leopoldstadt,

per Elektronachricht

Lieber Luis,

zu den sprachmoralischen und parteipolitischen Implikationen ausgewählter Begriffe des Wienerischen Vokabulars möchte ich keine feste Position beziehen. Gerne bringe ich aber Licht in die dunklen Räume, in denen die Bedeutung des von Ihnen inkriminierten Ausdrucks lauert. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kommt unser Pejorativ aus dem Lateinischen, vom Verb vapulare - geschlagen, gezüchtigt werden, Schläge, Prügel, ja auch eine Schlappe bekommen. Ob der Ausdruck über studentische Sprache oder über das Rotwelsch ins Wienerische gefunden hat, ist noch unklar.

Bei ähnlichen Begriffen vom Grund sind die Traduktionen hingegen bekannt. Der Wiener Terminus Dillo für Trottel, Blödian schriebe sich eigentlich Dilo, denn er kommt aus dem Romani, wo dilo so viel heißt wie dumm, blöd, verrückt, schwachsinnig, auch taub und stumm - und der dilo schlicht ein Verrückter, Irrer ist. Eine andere, ganz und gar ungermanische Herkunft hat das derbe Schimpfwort Koffer, mit dem im Wienerischen weder das Reisegepäck noch der Darmwind gemeint ist, sondern der Dummkopf. Das Wort Koffer hat seinen Ursprung im Rotwelschen, wo der Kaffer der Bewohner des Kaffs ist, einer kleinen, langweiligen Ortschaft. In die Gaunersprache kam der Ausdruck für Bauernschädel, Blödkopf, ungebildeter Kerl vom Romani-Wort gaw für Dorf. Ein älteres rotwelsches Wort kefar (ebenfalls Dorf) hat die Lautform wohl mitbestimmt, es kommt vom westjiddischen kefar und dieses vom hebräischen kafar, so viel wie Dorf.

Wollten Sie politisch korrekt sein, wäre Idiot kein böses Wort, kommt es doch vom griechischen idiótes - nichts anderes als Privatperson.


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