Kommentar?

Der Fall Kampusch und die ewige Suche nach Wahrheit

Kriminalität

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

Nun widmet sich also der Nationalrat noch einmal der Causa Kampusch. Verdiente Herren dieser Republik, der ehemalige Verfassungsgerichtshofpräsident sowie der Expräsident des Obersten Gerichtshofs, haben erfolgreich Druck gemacht. Sie mahnten die Klubobleute, den Fall nicht zu den Akten zu legen, sondern den Fall parlamentarisch zu prüfen.

Die Staatsanwaltschaft habe schlampig ermittelt, der Leiter der Kampusch-Soko habe sich deshalb das Leben genommen. Nicht nur die ehrenwerten Präsidenten, auch die Aufdecker Ewald Stadler und Peter Pilz drängen auf Aufklärung. Pilz, weil er Vertuschung von Pannen wittert, Stadler weil er eine große Verschwörung eines Kinderpornorings enthüllen möchte, die angeblich bis in die Parteien reicht. Nähere Beweise dazu liefert er nicht.

Eine merkwürdige Allianz ist da unterwegs. Sie wird die angeblichen Geheimnisse dieses Falls nicht lösen. Denn es ist nicht Aufgabe der Justiz oder des Parlaments, den Kriminalfall historisch aufzuarbeiten. Sondern ein Gericht muss eine beweisbare Theorie der Wahrheit liefern. Nur dann darf sie jene verurteilen, die ständig als Mittäter des Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil genannt werden.

Doch genau das gelingt nicht. Johann H., der schrullige Freund Priklopils, wurde sogar vom Vorwurf der Begünstigung des Entführers freigesprochen. Ex-VfGH Präsident Adamovich konnte seine Anschuldigungen gegen die Mutter Kampuschs nicht beweisen - und wurde in erster Instanz wegen übler Nachrede verurteilt.

Vielleicht sollte der Nationalrat auch diese Urteile zur Kenntnis nehmen - und Kampusch in Ruhe lassen. Sie hätte es sich verdient.


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