Gelesen?

Bücher, kurz besprochen

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

Eine kleine Utopie

Es lohnt sich, in diesem Aufsatzband, den die beiden ehemaligen SPÖ-Bildungssprecher Josef Broukal und Erwin Niederwieser herausgegeben haben, von hinten beginnend zu lesen. Dort nämlich findet sich ein kleiner utopischer Text von Gerhard Riemer, Bildungsexperte der Industriellenvereinigung. Wir schreiben das Jahr 2011, SPÖ und ÖVP haben sich endlich auf eine große Bildungsreform für Österreich geeinigt. Die ÖVP stimmte der schrittweisen Einführung der gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen bis zum Jahr 2020 zu, auf Basis der Ergebnisse der Perspektivengruppe Bildung und des ÖAAB-Bildungsprogramms. Die SPÖ gab ihren Sanktus für einen "Inskriptionsbeitrag" und für eine intensive Studieneingangsphase, die schon mit 1. Juli beginnt.

Dass es nicht so einfach ist, wissen die Herausgeber. Ihr großes Verdienst besteht unter anderem darin, das Who's who der österreichischen Bildungsszene zu kurzen, lesbaren, mitunter sogar vergnüglichen Beiträgen angestiftet zu haben. Es überwiegen - bei den beiden Herausgebern nicht weiter verwunderlich - die Anhänger eines Gesamtschulsystems. Wichtig ist auch, dass die Schüler selbst eine Stimme haben in einer Debatte, die meist im Alleingang von Politikern, Experten und Gewerkschaftern geführt wird. Igor Mitschkas und Elisabeth Ulrike Postls Aufruf für mehr Schuldemokratie gehört zum Erfrischendsten, was man zu diesem Thema zuletzt gelesen hat.

Josef Broukal, Erwin Niederwieser (Hg.): Bildung in der Krise. Warum wir uns Nichtstun nicht leisten können. Kremayr Scheriau, 190 S., ? 19,30


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