"Der Mensch ist scheußlich stark"

Politik | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

Wie überlebte eine Jüdin ganz offiziell im Wien der Nazi-Zeit? Ein neues Buch erzählt die außergewöhnliche Geschichte der Krankenschwester Mignon Langnas

Bericht: Barbara Tóth

Es war nicht viel, das sie in ihrem Testament zu vererben hatte. Die grüne Füllfeder sollte an ihre Neffen in Kapstadt gehen. Das weiße Sabbathtuch sollte ihre Tochter bekommen, ebenso die Ohrringe ihrer Mutter Emma, die sie selber im Krankenbett trug. Ihr Mann sollte ihre einzige, einfache, braune Tasche erhalten. Darin ein Band des Dichters Rainer Maria Rilke und zwei dünne Hefte, in schwarzes Papier gebunden. Und ihren geliebten Tabak? Den vermachte sie ihrer besten Freundin Käthe und ihrem älteren Bruder Pepi.

Als Mamcze Langnas, gerufen Mignon, diese Zeilen schrieb, war sie 41 Jahre alt und lag mit einer lebensbedrohlichen Typhusinfektion im Spital des Displaced Persons Lagers in Deggendorf. Der Zweite Weltkrieg war seit vier Monaten vorbei. Sieben Millionen Menschen waren ohne Heimat. Deggendorf war


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