Mediaforschung??

Wieso singt Meret Becker auf dem Eis, Herr Stellatos?

Nachfragekolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

Eine alte Spieluhr, weiße Rüschenkrägen wie aus einer anderen Zeit, dazu das Gesicht und die Stimme von Meret Becker und riesige Schaukelpferde, die tanzend über das Eis gezogen werden.

Die Weihnachtswerbung des Mobilfunkanbieters A1 ist ein echter Winterzauber - gedreht im Süden von Wien. Da sitzt die Schauspielerin und Sängerin Meret Becker verträumt in einer eisigen Winterlandschaft und singt mit ihrer Band eine Neuinterpretation ihres Liedes "Pipermint", dessen Melodie man kaum mehr aus dem Ohr bekommt. Rundherum tanzen professionelle Eiskunstläufer, schieben riesige goldene Schaukelpferde, Schlitten, Gitarren und Ähnliches durchs Bild. Und alles ist einfach wunderschön und klingt gut.

Inhalt gibt es bei dieser von der Wiener Agentur Nitsche gestalteten Werbung so gut wie keinen. Nur bezaubernde Bilder und Töne, die Emotionen wecken.

"Wir wollten einfach ein urbanes Wintermärchen inszenieren", sagt Athanassios Stellatos, Creative Director von Nitsche. Der Film mit Meret Becker sei "ein kleines Weihnachtsgeschenk von A1 für die Zuseher", meint der Werber.

Aber übersieht man vor lauter schönen Bildern und Tönen, die vorweihnachtliche Emotionen wecken, nicht das, was A1 mit dieser Werbung eigentlich verkaufen will? Erst ganz am Schluss des Spots wird auf A1 und dessen neues Weihnachtsangebot hingewiesen. "Mit dem Holzhammer hauen ohnehin genug andere auf die Kunden", sagt Stellatos. Dem würde der Mobilfunker einen "schönen Film" entgegensetzen.

Weil schön alleine nicht reicht, ist A1 mit seiner Wintermärchenwerbung auch noch gut: Das Riesenschaukelpferd wurde gespendet. An ein Kindertheater, wo jetzt die Kleinen darauf herumklettern können.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige