Enthusiasmuskolumne?

Die Welt ist ein Kaffeehaus

Diesmal: das polyglotteste Café der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

Ein Elefant gießt aus großer Höhe eine spülwasserfarbene Substanz ins Tässchen. Seine Vorderfüße stehen auf einem VW-Bus, auf seinem Rücken wachsen Palmen und Tannenbäume, dazwischen steht ein Kamel vor einem Häuschen mit ziegelgedecktem Giebeldach.

Schon das detailfreudige, charmant-kindliche Artwork nimmt einen sofort für dieses Album ein. Und erst die Musik! "Es sind auf jeden Fall Elemente aus Portugiesisch, Italienisch, Polnisch, Schwedisch, Englisch und Was-weiß-ich-noch-alles drin", erklärt ein gewisser Jerome auf dem Ghost-Track, auf den man stößt, wenn man nach dem Ende von "Olgas Nigun" den Player noch fünf Minuten weiter laufen lässt. Von Jerome weiß man, dass er einige Texte für die insgesamt zwölf Stücke geschrieben hat. Andere stammen von Lena, die wohl fürs Russische zuständig ist, oder Simon (Alemannisch und Zeichenstift).

Unlängst hat mir ein gewisser David gemailt. "David von Café Olga Sánchez." Jetzt weiß ich immerhin, dass das der Name der - gerüchteweise neunköpfigen - Band ist, und dass "Filics Força" wohl der Albumtitel und nicht der Name eines frankoslowenischen Musikers ist. Des Weiteren ließ mich David wissen, dass Café Olga Sánchez am 11. Dezember gemeinsam mit der Berliner Chanson-Punk-Band The Incredible Herrengedeck im Ost Klub auftreten, und das sollte man sich dann wohl anhören, denn die Musik, die dieses Kollektiv macht, ist ein tönendes Tonikum schierer Lebensfreude, die selbst in den melancholischen Stücken zu spüren ist.

Das ist einmal Weltmusik, die nicht nur apart sein will; die im Wechsel der (sprachlichen und musikalischen) Idiome nicht schlaubergerisch forciert wirkt; die Alltagsgeräusche verwenden kann, ohne dass es peinlich wird; deren Vitalismus ohne die nervige "Wir sind so viel besser drauf als ihr!"-Attitüde auskommt. Und wie Jamie Lee Curtis in "A Fish Called Wanda" auf dieses Album reagieren würde, sei jetzt einmal der schmutzigen Fantasie des Lesers überlassen.


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