Regisseur Martinoty: "Da Ponte hat große Achtung vor Don Giovanni - auch wenn der ein Verbrecher ist"

Feuilleton | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

?MIt "Don Giovanni" beginnt diesen Samstag der neue Da-Ponte-Zyklus, den Jean-Louis Martinoty für die Staatsoper inszeniert; im Februar folgt "Le nozze di Figaro", in der kommenden Spielzeit "Così fan tutte". Der französische Regisseur begann als Lehrer für Latein, Altgriechisch und Französisch, arbeitete als Journalist und leitete zwischen 1986 und 1989 die Pariser Oper.

Falter: Wer war Lorenzo Da Ponte?

Jean-Louis Martinoty: Da Ponte ist ein echter Libertin. "Viva la libertà" lässt er Don Giovanni singen. Ein Libertin im 18. Jahrhundert ist ein Atheist, ein Materialist. Er folgt der Philosophie von Pierre Gassendi (1592-1655, französischer Theologe, Anm.), der wiederum Epikur und Demokrit folgte, den Gegnern Platos und Aristoteles'. In diesem philosophischen Rahmen des Epikureismus gilt, entgegen dem Stoizismus, die Überzeugung, man müsse sich alle seine Wünsche erfüllen - und Oscar Wilde ergänzt später: bevor sie verschwinden. Natürlich ist das im Rahmen der Gesetze gemeint


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