Der Gejagte war schon damals der Jäger

Feuilleton | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

In ihrem locker gefügten Roman "Der verlorene Vater" zeigt uns Edwidge Danticat jenes Haiti, von dem nichts in der Zeitung steht

Buchkritik: Karl-Markus Gauss

Ka Bienaimé, eine haitianische Bildhauerin, geht mit ihrem hinfälligen Vater auf die Reise ihres Lebens. Seit langem wohnen sie in New York, jetzt sind die beiden auf dem Weg nach Florida, wo eine reiche Exil-Haitianerin von Ka eine Skulptur erstehen möchte. Doch dann ist der alte Herr plötzlich verschwunden, und mit ihm jene Holzskulptur, die wie alle Werke von Ka den Vater zeigt: den gemarterten, sanftmütigen Mann, dessen Gesicht von einer gewaltigen Narbe verunstaltet ist und der mit seiner ins Auge springenden Verletzung, seiner schweigsamen Traurigkeit für all die Verfolgten und Vertriebenen steht, deren Leben vom grausamsten aller grausamen Despoten Haitis, Papa Doc Duvalier, zerstört wurde.

Dass der Vater verschwindet, damit beginnt der Roman "Der verlorene Vater" von Edwidge Danticat, die 1969 in Haiti geboren wurde und

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