Die Politiken des Gedenkens

Steiermark | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

Am Thalerhof wird eine Gedenktafel für das k.u.k. Internierungsager enthüllt

Bericht: Herwig G. Höller

Wie benennt man die Opfer des Interniertenlagers am Thalerhof? An widrigen sanitären Verhältnissen waren im Lager am Rande des Flughafens zwischen 1914 und 1917 knapp 2000 Zivilisten verstorben, österreichische Untertanen, die man der "Russophilie" bezichtigte und aus dem Osten der Monarchie nach Thalerhof deportierte und im Widerspruch zum damaligen Grundgesetz teils jahrelang einsperrte (Falter 47/2005). Obschon sich auch Angehörige anderer Volksgruppen, etwa Polen und Juden, unverhofft am Thalerhof fanden, verschleppt wurde vor allem nach nationalen Kriterien: Als primär verdächtig galten "Ruthenen", dies war die Bezeichnung der k.u.k. Bürokratie für die heutigen (West-)Ukrainer. Die Frage nach der nationalen Benennung war immer schon hochgradig politisch aufgeladen.

1936 kam es deshalb zum Eklat. Das österreichische Bundesheer beanspruchte neue Flächen und der Friedhof am


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