Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

Selbstgebrannte Musik aus gestohlenen Boxen

Das nächste große Ding ist jetzt auch in Fürstenfeld angekommen: Die Tek-Party (eigentlich: Tek-Festl) ist ein geselliger Zusammenschluss von auffälligen Jugendlichen auf freiem Feld, gerne im benachbarten Ungarn, wo man sich an Designerdrogen und lauter Musik aus bombastischen Boxen erfreut, die man bei diversen Open-Air-Veranstaltungen im Umland gestohlen hat, bis die Polizei kommt. Die Polizei hat nämlich auch in Fürstenfeld verdächtig wenig zu tun und kann sich so die Zeit mit Surfen auf Facebook und Myspace vertreiben, und so stößt man dann ganz von alleine auf die klandestinen Terminverabredungen der ruhelosen Jugendlichen. Die meisten von denen übrigens hören privat ganz andere Musik, aber nur, wenn sie alleine sind. Jutta von Ditfurth meint, man kann ja auch mit Leuten zusammen Revolte machen, die nicht denselben Musikgeschmack hätten wie man selber. Aber kann man mit solchen Leuten auch Weihnachten feiern? Schließlich sind selbstgebrannte CDs immer noch ein, weil persönlich + romantisch + kostengünstig, sehr beliebtes Weihnachtsgeschenk, oft jedoch lösen sie peinliches Schweigen aus und reißen eine Kluft in eine gerade aufkeimende Beziehung, die nicht mehr geschlossen werden kann. So peinlich wie ein Gitarrenensemble mit Dirigent, der eine rote Zipfelmütze aufhat, das "Last Christmas" spielt.


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