Als die Kärntner Straße noch Glam hatte

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

Die Fotoschau "Window Shopping" macht die Tristesse aktueller Konsumästhetik deutlich

Das Warenhaus der Großstadt tut mehr für die Kultur des Volkes als die Museen", steht apodiktisch auf der Museumswand. Und in der Tat mag den Besucher der Ausstellung "Window Shopping" der ketzerische Gedanke, man möge besser die Konsum- als die Kulturtempel subventionieren, nachvollziehbar sein; und zwar nicht, weil an der angenehm kompakten und konzisen Fotoschau "Window Shopping" irgendetwas auszusetzen wäre, sondern weil ihm diese - ganz im Gegenteil - den traurigen Zustand der gegenwärtigen Einkaufserlebniswelten drastisch vor Augen führt.

Der Christkindlmarkt im Resselpark verursacht wenigstens nur ein saisonales Stimmungstief, die Ringstraßen-Galerien hingegen sind schon seit Jahren deprimierend weit davon entfernt, die Eigendefinition von der "feinsten Shoppingadresse Wiens" zu erfüllen: Wilhelm Holzbauers kulissenhafte Fassade verströmt den Glamour eines überdimensionalen Eierkartons,


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