Kritik

Das schwarz-weiße Ornament der Eierschädel

Lexikon | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

Giorgio de Chirico goes Comic: Der Künstler Moussa Kone bevölkert seine Papierarbeiten massenhaft mit gesichtslosen Köpfen, die an die Zeichenpuppen der pittura metafisica erinnern. Bei seiner aufwendig choreografierten Einzelschau "Places to recall" in der Charim Galerie lässt es der 1978 in Niederösterreich geborene Künstler nicht an Assoziationen mangeln. Gleich zu Beginn der Schau führt eine Wand voll Tuschzeichnungen an wundersame Orte. Dort reiten etwa Männer auf Riesenschnecken und Raben picken winzige Anzugträger auf. Einer der Plätze, die sich Kone ins Gedächtnis ruft, scheint Mexiko zu sein: Die Figuren und (Tier-)Masken ähneln den kreisförmigen Kalendersteinen der Azteken.

Das zentrale Motiv der Schau bildet jedoch die Bühne und ihr Publikum, das aus besagten Eierschädeln besteht. Dramen männlicher Identität spielen sich on stage ab, wobei sich Ironie und Pathos die Waage halten. In "Tower of Power" lässt Kone ein Männchen von einem Phallusturm in eine übergroße Vagina springen. Fast cinematische Wirkung entwickeln die Zeichnungen in einem schwarz ausgemalten Raum der Galerie.

Kones Zeichenstil wird vor allem durch seine Ornamentik unverwechselbar. Weite Strecken der Bilder überzieht er mit Mustern, die entweder abstrakt bleiben oder auch Wellen, Blätter oder Himmelskörper darstellen. Gekonnt übersetzt Kone ein solches Muster in eine Skulptur: In einem schwarzen Paravent sind unterschiedlich große, ovalförmige Löcher so ausgeschnitten, dass sie wieder an die vollen Theatersäle denken lassen. Insgesamt bleiben die Zeichnungen aber zu starr. Auch die große Fantasie der Bilderfindungen hilft nicht über die fehlende Dynamik hinweg, die in der Vorgängerausstellung von Ralf Ziervogel so fesselte. NS

Charim Galerie, bis 15.1.


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