Theater Tipp

No Theater trifft Commedia dell'arte

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 49/10 vom 08.12.2010

Man könnte sagen, dass das Grazer Werkraum Theater mit seinem "Shiki do" genannten No-Spiel angekommen ist. Genau dort, wo es immer schon zu Hause war. Denn die Ingredienzien dieses in vieler Hinsicht einzig-, aber eigenartigen Theaters haben auch die bisherigen Arbeiten des im Wesentlichen aus Franz Blauensteiner und Rezka Kanzian bestehenden Kulturkleinbetriebs bestimmt: Neben der profunden Kenntnis östlicher Bewegungs- und Ausdruckstraditionen im Geiste des Zen kommt hier stets die italienische Commedia dell'arte ins Spiel. Und der sehr westliche Anspruch eines individualistisch gesellschaftskritischen Autorentheaters. Wer sich nicht vorstellen kann, wie das zusammengeht, muss wissen, dass der Yoga- und Zenspezialist Blauensteiner in seiner bewegten Künstlerkarriere vom großen Sprechtheater (u.a. mit Hans Gratzer) ebenso geprägt wurde wie von der akrobatischen Clownerie (u.a. mit Heinz Wanitscheck). Dass die Wertschätzung der Werkraum-Arbeit überhaupt ein großes Maß an Vorwissen verlangt, ist vielleicht auch eines der Probleme dieses Theaters. So wird in "Shiki do" Blauensteiners kritischer Blick auf die Welt in einem nach buddhistischer Erzähltradition strukturierten Abend präsentiert, wobei die reduzierten Mittel des No-Theaters den durchaus offensiven Ausdrucksformen der italienischen Renaissance begegnen. Ein Unterfangen, das vom Zuseher zumindest das intensive Studium der Programmfußnoten verlangt, zugleich aber alle Zen-Fans, die auf der Suche nach dem inneren Lächeln ins Werkraumtheater gefunden haben, schwer enttäuschen wird. Zu zynisch ist Blauensteiners fragmentarischer Text, zu unbefriedigt und unbefriedet sein Blick auf die Welt. Dennoch: Ein Geheimtipp für alle, die sich gerne und vorbehaltlos auf ein Stück ungewöhnlicher Bühnenkunst einlassen.

Werkraum Theater, letzte Vorstellung 8.12., 20.00


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