Kritik

Fliegen und Vögeln ohne Durchhänger

Lexikon | aus FALTER 50/10 vom 15.12.2010

Für Sigmund Freud war die Sache klar: Der Traum vom Fliegen hatte für ihn eindeutig sexuelle Bedeutung. Der Wunsch abzuheben, die Sehnsucht nach vogelgleicher Schwerelosigkeit, zieht sich durch die aktuelle Schau von Eva Schlegel im Mak. Deren Zentrum bildet eine Installation mit drei Flugzeugrotoren, auf deren Flügeln die Künstlerin gefilmtes Material und Text projiziert. Was sich spannend anhört, überzeugt vor Ort nur mäßig. Vom medienkünstlerischen Standpunkt her betrachtet ein aufwendiges Spektakel, das außer Größe nichts Neues bringt; das Filmmaterial illustriert mit Bildern von Ballons, Wolken und Fallschirmspringern brav das Thema.

Für die zweite Großintervention der Schau wurden hunderte weiße Wetterballons eindrucksvoll an der Decke fixiert. Bereits 1966 ließ Andy Warhol silberne Luftballons steigen, in deren Oberflächen sich die Ausstellungsbesucher spiegelten. Schlegel sorgt für Reflexion, indem eine Videokamera die Betrachter filmt und deren Bild kreisförmig auf den Boden projiziert - gegen die Poesie von Warhols "Silver Clouds" eine recht dröger Effekt. Einer breiteren Öffentlichkeit ist Schlegel als Expertin für Unschärfe bekannt, die Schriften bis zu Unlesbarkeit abstrahiert und in ihrer Fotokunst auch am Rand der Erkennbarkeit arbeitet. Die Ausstellung zeigt auch diese Arbeiten, aber das Herz der Künstlerin hängt eindeutig an ihren neuen Rauminstallationen. 2005 überraschte sie in der Secession durch die Verwendung von Blei, das sie seither für Drucke verwendet. Das Metall überzieht auch die Außenhaut eines speziellen Kubus im Mak. Freudianer dürfte es wenig verwundern, dass in diesem Giftkammerl Pornodarstellungen zu finden sind. Abstrahiert und bunt lackiert bleiben aber auch diese Erektionen harmlos und von allen Fallängsten befreit. NS

Mak, bis 1.5.


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