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Surrealismus im Alltag: Filme von Rebecca Baron

Lexikon | aus FALTER 50/10 vom 15.12.2010

Geschichte, Erinnerung sowie deren mediale Konstruktion sind gemeinsames Interesse und Merkmal der Filme von Rebecca Baron, die am California Institute of the Arts unterrichtet. An zwei Abenden stellt die US-amerikanische Künstlerin nun erstmals in Wien einige ihrer Arbeiten persönlich vor.

Ihr schmales, dennoch vielgestaltiges Werk reicht von der digitalen Medienkunst über den klassischen Filmessay bis zum Found-Footage-Film, der die Grundlage ihres ersten Meisterwerks bildet. Ausgehend von einem Stückchen auf der Straße gefundenem Super-8-Materials, das einen nicht identifizierten Kambodschaner zeigt, unternimmt Baron in "Okay Bye-Bye" (1998) eine intensive Recherche: über die Roten Khmer, die Spuren des Genozids und die Mitschuld der USA daran.

"How Little We Know of Our Neighbours" (2005) ist ein Filmessay über das Medium der Fotografie von ihren Anfängen in der Anthropologie bis zur Überwachung heute. Ganz besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Mass Observation Movement der 30- und 40er-Jahre, zu deren Protagonisten auch der bedeutende Dokumentarfilmer Humphrey Jennings und der Fotograf Humphrey Spender gehörten. Ihr gemeinsames Ziel war, so Barons Kommentar, "die unterdrückte wahre Natur der britischen Gesellschaft sichtbar zu machen". Womit man nicht zuletzt auch einer neuen Bildästhetik zum Durchbruch verhalf: dem Surrealismus im Alltäglichen.

"Lossless" (2008), gemeinsam mit Doug Goodwin realisiert, ist eine Serie von digitalen Bearbeitungen prominenter Werke der Filmgeschichte, darunter Western von John Ford, Musicals von Busby Berkeley oder "Meshes of the Afternoon" von Maya Deren und Alexander Hammid. Durch das Ineinanderkopieren und Überpixeln entstehen Bilder, die eine neue innere Dynamik generieren. MO

Österreichisches Filmmuseum: Mi 15.12., 20.30 und Do 16.12., 20.45 (in Anwesenheit von Rebecca Baron)


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