Kunst Kritik

Das Unsichtbare im hinterfragten Bild

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 50/10 vom 15.12.2010

Nach all den Workshops, die der Kunstverein in letzter Zeit zum Thema Annenviertel betrieben hat, war schon die Vermutung laut geworden, er wäre weniger ein Kunst- als ein Kommunikationsverein, erzählt Anton Lederer, der gemeinsam mit Margarethe Makovec den leitet. Das wird mit der aktuellen Ausstellung sicherlich anders. "Versteckte Öffentlichkeiten", die von Andrea Domesle und Walter Seidl kuratierte Schau, macht kein Hehl daraus, eine Kunstausstellung zu sein. Schon das Thema macht das Format klar zu einem künstlerischen, bezieht man sich doch explizit auf Sichtbarkeit und diskutiert zum einen jene Teile des öffentlichen Raums, die von der breiten Öffentlichkeit versteckt werden, zum anderen die von Marc Augé als "Nicht-Orte" klassifizierten Übergangszonen und damit auch die Frage, wie sie sicht- und erlebbar gemacht werden können. Laurence Bonvin wirft mit seiner Kamera Blicke auf Gated Communitys bei Istanbul, Emil Gruber zeigt in seiner Fotoserie "Do not come close and take photos" das Niemandsland zwischen Nord- und Südkorea, Markus Dorfmüller verfolgt die Frage, wie deutsche Asylantenlager nach außen in Erscheinung treten, und Tobias Zielony hat aus 7000 Einzelbildern einen neunminütigen Film gebaut, der Einblicke in die als einer der größten Drogenumschlagplätze Europas in Verruf geratene Wohnsiedlung Le Vele di Scampia nahe Neapel riskiert. Alle zwölf gezeigten Positionen halten sich freilich nicht mit der Abbildung des sonst Verborgenen auf, sondern thematisieren damit gleichzeitig die Abbildungsleistung ihrer Film- und Fotokameras, ihr Medium und seine Grenzen, fragen sich, was sie im Eigentlichen abbilden und wo die Unschärfen ihres Vorgehens lauern. Ganz nach der Art einer Kunstausstellung eben.

Kunstverein , bis 19. 2.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige