Nüchtern betrachtet

Den Flockeneffekt in der Wollzeile find ich gut!

Feuilleton | aus FALTER 50/10 vom 15.12.2010

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Jedes gelebte Leben führt eine Schar fiktiver Viten mit sich, ohne die es noch ärmer wäre, als es ohnedies schon ist. In den meisten Fällen ist dieses ungelebte Leben so bereichernd, weil es die mühselige Reise aus dem Reich des Potentialis in die Gefilde des biografischen Indikativs nie antreten musste. Das gilt auch in Liebesdingen: Beziehungen, die man unterhalten könnte (wäre da nicht die, die man tatsächlich hat), sind oft von strahlender Stabilität. Daran nicht zu rütteln, ist sowohl klug als auch feig. Wer's nie versucht hat, kann sich ein Leben lang ein beruhigendes "Hätt ja können sein" ins eigene Ohr flüstern. Solange dort kein Agent des Zweifels sitzt, der ein nadeldünnes "Ach, wirklich?!" retour flüstert, oder gar im wirklichen Leben schlichte Kerle mit grobschlächtigen Auffassungen ("Glaub ich nicht - mach doch!") sich zeigen, hat man gute Aussichten, ein vom zarten


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