Selbstversuch

Ach ja, ich habe übrigens eine neue Nummer

Doris Knecht? | Kolumnen | aus FALTER 50/10 vom 15.12.2010

Ich kaufte ein neues Handy und eine neue Nummer. Ich tippte am alten Handy eine Nachricht: Guten Tag, ich habe eine neue Handynummer, dann die Nummer, liebe Grüße, DK.

Ich ging mein Adressbuch durch und markierte alle Namen, denen ich die neue Nummer schicken wollte. Es waren ungefähr 260. Es dauert, 260 Nummern zu markieren. Als ich alle markiert hatte, informierte mein Handy mich, dass ich die Nachricht nur an 20 Nummern gleichzeitig schicken könne. Ich fing von vorne an, und schickte die Nachricht dreizehn Mal an je 20 Leute. Das dauerte mehr als eine Stunde. Dann rief mich eine Freundin an, auf meiner alten Nummer, sie sagte, danke für die neue Nummer, leider funktioniert sie nicht. Ich sah mir die Nachricht noch einmal an und, dasdarfdochnichtwahrsein, ich hatte hinten zwei Ziffern vertauscht. So eine peinliche Scheiße. Unglaublich.

Ich tippte eine neue Nachricht: Zefix, die Nummer war falsch, hier jetzt die richtige. Ich überprüfte die Ziffern der neuen Nummer acht Mal, dann schickte ich die Nachricht dreizehn Mal an je zwanzig Leute, das dauerte ungefähr eine Stunde. Höhnische SMSe wurden retourniert, an meine alte Nummer. Die Freundin rief erneut an, erneut auf der alten Nummer und sagte mir erneut, leider funktioniere meine neue Nummer immer noch nicht. Das war nun nicht möglich, trotzdem las ich mir die Nachricht noch einmal durch, wobei mir auffiel, dass ich die Vorwahl mit 0669 anstatt 0699 angegeben hatte. Mein Kopf fühlte sich an wie ein Bienenstock, wenn's dort richtig Ärger gibt.

Ich tippte eine neue Nachricht: Das ist jetzt schwer zu glauben, aber. Und die neue Nummer, und: unpackbar, DK. Ich glaube, ich habe, wegen des Bienenschädels, das SMS an ungefähr 180 Leute doppelt geschickt, was von den meisten fröhlich aufgenommen wurde, und an ungefähr 80 gar nicht mehr, weil mir einer antwortete, ob ich ihn verarschen wolle, und wenn er was von mir will, schickt er mir ein Mail. Da schaltete ich das Telefon einfach für immer ab und verkroch mich unter der nächstbesten Decke, weil ich fand, dass die Karmabilanz dieser Woche bereits ungünstig genug sei.

Am Abend war ich bei der Nachbarin von unten zu Geburtstagsfeierlichkeiten (very lesenswert: ihr Countdown auf www.argelist.wordpress.com) eingeladen, Dresscode fesch. Ich machte mich fesch, rief ein Taxi und beim Einsteigen platzte mein fescher Bleistiftrock bis übern Hintern auf. Ich ließ das Taxi warten und zog mich um. Als ich mich auf der Party mit dem Gastgeber unterhielt, fiel dem einfach so sein Rotweinglas aus der Hand, zerplatzte am Parkett und versaute seinen feschen weißen Anzug. Danach streifte ich einen Lichtschalter, was eine Glühbirne und die Sicherung von Küche und Vorraum zur Explosion brachte. Die Leute gingen auf Distanz zu mir. Aber ich spürte: Jetzt ist es erledigt, jetzt wird's wieder besser, und das wird es auch.


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