Buch der Stunde

Der Fortschritt geht auf Kopfsteinpflaster

Lexikon | Sebastian Kiefer | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Im Kopf des Laien ist Mathematik der Inbegriff von Dingen, die überzeitlich und rein sind. Nichts könnte falscher sein. Das Dezimalsystem etwa kommt uns zwar "natürlich" vor, ist aber einfach eine Übereinkunft, die andere, in mancher Hinsicht vorteilhaftere Systeme (etwa das Duodezimalsystem) ausschloss. Die Euklid'sche Geometrie, wie wir sie in der Schule lernen, verdanken wir einigen genialen Männern des Altertums, doch die Griechen konnten einfache Aufgaben, die heute Schülern nur wenig Mühe bereiten, nicht bewältigen, weil diese bloß mit Zirkel und Lineal nicht lösbar sind - etwa die sprichwörtliche "Quadratur des Kreises", das ist die Konstruktion eines Quadrats mit dem Flächeninhalt eines gegebenen Kreises.

Es mussten fast zwei Jahrtausende harten Ringens vergehen, bis die griechische Auffassung von der Kurve als etwas, das sich mit den Mitteln der Geometrie konstruieren lässt, ersetzt wurde: Seit Descartes verstehen wir Kurven als "visuellen Aspekt einer algebraischen


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