Theater Kritik Show

Gescheitelte Soldaten an der Turnstange

Steiermark | Michael Thurm | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Jede Menge Trubel und ein Begrüßungsschnaps für die Gäste. Nur wer zu spät kommt, der wird huckepack zu seinem Platz getragen - all das ist nichts für distanzliebendes Theaterpublikum. Aber so ist man es gewohnt, wenn die La-Strada-Macher ans Werk gehen. Cirque Noël heißt der alljährliche Weihnachtszirkus, ganz im Stile des bekannten Straßenfestivals; immer effektvoll und den Applaus einfordernd.

Genau so geht es auch bei "Call me Maria", dem diesjährigen Programm, zu: In einer spanischen Kneipe der 50er sehen sich die heimischen Besucher mit zwei US-Marinesoldaten konfrontiert. Diese buhlen mit Machogehabe und artistischen Einlagen zwei Damen - sehr zur Empörung von Barbesitzer Manolo und seinem Freund Matias Macri. Doch gegen artistischen Tanz mit riesigen Hula-Hoop-Reifen und die Jonglage mit einem Diabolo können die Spanier nur ihre großartige Band um Adriá Gul aufbieten, die eigenen Turnkünste sind leider zu wackelig. Sie bleiben erfolglos, denn schließlich schwebt die Femme fatale Maria auf einem schwebenden Reifen durch die Bar und zeigt dabei ihre Reize. Adria Cordoncillo zeigt derweil als gescheitelter Soldat Kunststücke an der Turnstange - was halt nötig ist, damit zwei Menschen zueinanderfinden. Klamauk und Körperkunst in Kombination, Langeweile kommt da keine auf. Und auch Barbesitzer Manolo ist zunehmend egal, was in seiner Bar geschieht, und so wird es dann doch, unfreiwillig, eine Weihnachtsgeschichte - nämlich die von der Amerikanisierung des Festes: Die Band spielt nur noch Rock 'n' Roll, die Spanier tanzen dazu flotter als die beiden Navy-Soldaten, und Manolo tauscht das Schild seiner Bar gegen ein neues aus, dessen Schriftzug mehr an Coca-Cola als an Catalunya erinnert.

Dom im Berg, bis 30.12., außer Sa und Mo, unterschiedliche Beginnzeiten


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