Am Apparat?

Sind die grünen Parlamentarier alle Masochisten, Herr Kogler?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Werner Kogler hatte einen Redeanfall. Zwölf Stunden und 42 Minuten lang, ohne Unterbrechung. Am vergangenen Donnerstag begann der grüne Budgetsprecher um 13.18 Uhr mit seinem Vortrag im Budgetausschuss und zerpflückte die Details des Regierungsbudgets für 2011 in freier Rede. Erst am Freitag um zwei Uhr morgens endete er. Damit überbot Kogler den Rederekord seiner Parteikollegin Madeleine Petrovic.

Herr Kogler, wie kann man seine körperlichen Bedürfnisse 13 Stunden lang kontrollieren: Zenbuddhismus oder Mentaltraining?

Ich mache das jedenfalls nicht. Ich hatte mir aber Kaffeeentzug verordnet, also nur einen Kaffee in der Früh, ein Aspirin und ein Stück Brot. Während der Rede habe ich dann nur ein Viertel Wasser getrunken. Aber wenn man so richtig in die Materie eintaucht, stellt sich der Körper von selbst um.

Haben Sie Ihre Marathonrede vorher einmal ausprobiert - und an wem?

Nein, mein Umfeld traut mir schon zu, dass ich weiß, wovon ich spreche. Wörtlich vorbereitet hatte ich nur den ersten Satz, eine Anspielung auf das Johannes-Evangelium: Am Anfang war der Verfassungsbruch. Den Rest habe ich mir mit Stichworten und Kapiteln notiert, auf einem A4-Blatt. Das Budget gibt ohnehin eine Struktur vor, an der man sich dann entlangarbeiten kann.

Auch in der Debatte vor dem Budgetbeschluss haben die Grünen den Parlamentstag verlängert. Sie haben 23 Abänderungsanträge eingebracht und namentliche Abstimmungen verlangt. Sind sie alle Masochisten?

Sicher nicht. Wir sind Abgeordnete, die ihre Arbeit machen und ihre Vorschläge zum Budget einbringen wollen. Alle Anträge von uns werden begründet und zielen auf für uns wichtige Problempunkte ab: etwa auf die Kürzungen bei der Entwicklungshilfe, bei den Familien oder auf die Verteilungsgerechtigkeit. Aktionismus ohne Inhalte, nur um etwas zu verzögern, gefällt mir auch nicht.

Interview: Julia Ortner


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