Budapest revisited

Politik | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Ungarn hat ihn einst vertrieben und ächtet ihn heute wieder. Der Journalist Paul Lendvai führt durch die Stadt seiner Jugend

Porträt: Joseph Gepp, Budapest

Wie wird wohl die Wohnung von Professor Paul Lendvai aussehen, dieses großen alten Erklärers von Osteuropa?

Man denkt vielleicht an einen massiven Holzschreibtisch mit schwerer Messinglampe mitten im Zimmer. Teure Teppiche werden wahrscheinlich an den Wänden hängen, und natürlich laufmeterweise Bücher.

Doch in Lendvais Wohnung im 13. Budapester Bezirk, der Neuleopoldstadt, fehlen diese Insignien von Altersweisheit. Sie ist gediegen, ja. Parkettböden, zwei moderne Gemälde in antiken Rahmen, Fensterblick durch einen tiefverschneiten Park direkt auf die Donau. Aber es fehlt die Überfülle an Erinnerungen, wie sie sonst die Wohnorte alter Menschen ausmacht. Es fehlt der Status, das Gesetzte, das Erreichte. Erst vor drei Monaten sei er hier eingezogen, erzählt der 81-jährige Lendvai. Die Wohnung habe ihm gefallen. Jetzt verteilen


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