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Bücher, kurz besprochen

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Eine Art Raumschiff

Die Europäische Union hat ein Imageproblem, nicht nur in Österreich. Für viele Bürger steht sie als Chiffre für Bürokratiedickicht, Bevormundung und teuren Proporz. Dass dieser Unmut nicht nur dem Kleingeist renitenter Nörgler geschuldet ist, sondern auf einem realen Missstand fußt, zeigt das Buch "So nicht, Europa!" von Jochen Bittner. "Eine Art Raumschiff", nennt der Autor die EU, "ziemlich abgehoben, schwer durchschaubar, und gegebenenfalls lästig".

Bittner arbeitet seit 2007 als Europakorrespondent für die Wochenzeitung Die Zeit und weiß dementsprechend viele Geschichten aus den Brüsseler Salons und Hinterzimmern zu erzählen. Mit lebendiger Sprache zeichnet er ein Bild, auf dem der Tempopilot auf der Brüsseler Kommandobrücke immer weiter nach oben gestellt wird, während die Passagiere des Raumschiffs schon lange Stopp schreien. Das Problem? Die "Eurokraten" reagieren auf das Geschrei, indem sie sich Stöpsel in die Ohren stecken. In den Köpfen der EU-Bürokratie habe sich ein Korpsgeist festgesetzt, der keinen Widerspruch dulde gegen eine "ever closer union", eine immer enger werdende Union. Bittner bringt seine Kritik auf folgende Formel: Die EU regele Kleines zu groß und Großes zu klein, Weiches zu hart und Hartes zu weich, sie bewege sich oben zu schnell und unten zu langsam. Das beste Beispiel dafür ist vielleicht das unpopuläre Glühbirnenverbot, das selbst bei begeisterten Pro-Europäern Kopfschütteln auslöst. Als der deutsche Parlamentarier Holger Krahmer zweifelte, ob den Bürgern wirklich der liebgewordene Glühdraht verboten werde müsse, herrschten ihn seine "Kollegen" an, dass er aufhören solle, so "populistisch daherzureden".

Jochen Bittner: So nicht, Europa! Dtv,

288 S., ? 15,40


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