Wieder gelesen?

Bücher, entstaubt

Politik | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Für die Freiheit schreiben

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache behauptet, es sei sein Lieblingsbuch. Warum man "Der Waldgang" von Ernst Jünger trotzdem nicht in die rechte Schublade stecken sollte, zeigen die Gemeinsamkeiten, die das Werk mit dem linken Manifest "Der kommende Aufstand" hat (siehe große Rezension). Beide Texte diskutieren, wie der Einzelne militanten Widerstand leisten kann gegen einen Staat, der seiner Hybris erlegen ist. Im Gegensatz zu den linken Aufständischen lehnt Jünger den modernen Staat nicht per se ab, warnt aber, dass er immer Gefahr laufe, ins Totalitäre zu kippen. Was tun? Der Autor träumt von einer Elite von "Waldgängern", die im Fall des Falles in den Untergrund geht und zur Waffe greift, um gegen die Diktatur zu kämpfen. Als die Nazis 1933 in Berlin an die Macht kamen, erschoss ein junger Sozialdemokrat im Flur seiner Wohnung "ein halbes Dutzend sogenannter Hilfspolizisten", um seiner "Freiheit teilhaftig" zu bleiben. "Wenn (?) in jeder Berliner Straße auch nur mit einem solchen Falle zu rechnen gewesen wäre", schreibt Jünger, "dann hätten die Dinge anders ausgesehen." w z

Ernst Jünger: Der Waldgang. Klett-Cotta, 2001, 96 S., ? 13,30


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