Mediaforschung??

Herr Kleemann, wann hängen Sie die Bordellwerbung ab?

Nachfragekolumne

Medien | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Früher als geplant soll Schluss sein mit den leicht bekleideten Frauen im Engelskostüm, die seit vier Jahren die ankommenden Fluggäste am Vienna Airport mit einem frivolen Lächeln vom Werbeplakat des Wiener Edelpuffs Babylon empfangen. Die Produktionsfirma Saiko Film hat 2006 in Guerillamanier bei einem Videodreh das Foto auf den Stiegen des Kunsthistorischen Museums geschossen.

Ursprünglich wollte die Flughafenverwaltung das Plakat bis Mitte 2011 hängen lassen. "Jetzt wollen wir es schon früher abnehmen, den Vertrag haben wir gekündigt", sagt Flughafensprecher Peter Kleemann. Dabei handle es sich nicht mehr wie bisher um Monate, sondern nur noch um Wochen.

Der Frauenrat hatte zuletzt Druck auf die Flughafenverwaltung ausgeübt. Passagieren aus prüderen Weltgegenden könne man nicht die leichten Mädchen präsentieren. Außerdem sei das imageschädigend für die Tourismusmetropole Wien und schädlich für das Frauenbild in der Gesellschaft, meinen Kritiker.

Unterstützung für den Frauenrat kommt von der rot-grünen Wiener Stadtregierung, die im Koalitionsabkommen dem Sexismus in der Werbung den Kampf ansagt. Die eigens dafür gegründete Wiener Watchgroup will die "kommunalpolitischen Handlungsspielräume nützen, um gegen stereotype Rollenbilder anzukämpfen". Zum Beispiel könne man von den Skandinaviern lernen.

"In Norwegen sind derartige Werbesujets längst auch in Zeitungen verboten, weil die sich sonst der Zuhälterei schuldig machen", sagt Frauenbeauftragte Maggie Jansenberger. So drakonisch geht es in Österreich noch nicht zu, ein bundesweites Verbot gegen sexistische Werbung gibt es nicht. Nur die Steiermark prescht vor: Dort ist Bordellwerbung auf Plakaten seit Juni gesetzlich verboten. BernHard Fischer


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